Eindrücke auf anderem Kontinent

Eindrücke einer ganz anderen Welt – ein anderer Kontinent

Das Reisefieber hat mich wieder gepackt und führte mich für mehrere Monate nach Süd- undSüdamerika Mittelamerika. Die Menschen leben dort, in meinen Augen, ganz anders als wir. Ein Wort bzw. Handschlag zählt dort noch. Es wird auf Grund der Hitze und der Mentalität alles in einer extremen Ruhe gemacht. Wir Europäer nennen diese Arbeitsweise gerne „faul“. Irgendwann habe ich allerdings begriffen, dass es nichts mit Faulheit zu tun hat, sondern mit einem einfachen Leben.

 

Die Wanderung

Bei einer Wanderung zu einem Wasserfall kam ich an Häusern vorbei, die nur aus Steinen und Zement errichtet waren. Kein Putz oder Farbe war an den Außenwänden angebracht. Es hatte nur ein Geschoss und nicht mehr als vielleicht vier kleine Zimmer. In diesen Häusern leben Familien Südamerikamit rund fünft Kindern, den Eltern und den Großeltern zusammen. Es wird meist in einem bzw. maximal zwei Zimmern geschlafen, draußen gekocht und gewaschen. Das Kinderspielzeug besteht oft aus einem Ball oder ein paar Schnüren, die die Kinder bei einer Streiftour durch unwegsames Gelände gefunden haben.

Mir ging seiner Zeit das Herz auf, als ich drei Kinder auf der notdürftig errichteten Straße spielen gesehen habe. Die Kinder spielten Fußball und ein Junge versuchte einen Fallrückzieher und schaffte es auch fast. Die Freude, mit der er uns auf seiner SüdamerikaSprache anbrüllte und sich als Fußballgott darstellte war genial. Mit Kleinigkeiten konnten die Kinder so glücklich gemacht werden… ein anderer Junge kam mit seinen Freunden aus dem Regenwald-Gebüsch und freute sich über eine Orange, die er gefunden hatte. Nach ein paar Worten schenkte er uns diese Orange lächelnd obwohl er selber nichts Südamerikahatte und rannte zurück in den Regenwald um sich eine Neue zu suchen.

 

Die Erkenntnis

Für mich war dieser Ausflug einerseits sehr traurig, da die Leute nichts haben aber andererseits auch sehr lehrreich, denn ich merkte selber, dass wir gar nicht so viel brauchen im Leben um glücklich und zufrieden zu sein. Freundschaft, eine Gemeinschaft und der Zusammenhalt untereinander ist viel wichtiger, als alles Materielle, was wir sonst meinen besitzen zu müssen. Das Vertrauen zu anderen hilft uns in vielen Situationen mehr weiter, als jeder Euro, den wir in der Tasche haben.

Allen Kritikern, die jetzt sagen, dass ohne Geld aber auch nicht überlebt werden kann gebe ich nun zum Teil recht und komme von Süd- und Mittelamerika nun auf einen anderen Kontinent, bei dem mir eine Situation passiert ist, die ich ohne das Vertrauen meine Mitmenschen nicht hätte bewältigen können.

 

Mitten im Outback der australischen Westküste…

Wir sind rund 350 km über eine nicht geteerte Straßen gefahren. Nichts als roter Sand und sehr Australienweit entfernte Berglandschaften sehen wir. Hier und da kommt uns mal ein Auto oder ein Roadtrain entgegen. Nach ungefähr 7 Stunden im Auto erreichen wir die nächste “Stadt“ und somit auch unser nächstes Etappenziel. Wer wir sind? Ein bunt zusammen gewürfelter Haufen aus Fremden, die beschlossen haben von Darwin (im Norden Australiens) nach Perth zu fahren. In der Stadt haben wir einiges vor und jeder rennt zum Geldautomat. Doch was ist nun los? Ich bekomme kein Geld mehr… Internet- oder Telefonempfang um mein Konto zu überprüfen gibt es nicht. Ich weiß nicht, was los ist und habe nur noch 20 Dollar einstecken. Ein klein wenig Panik macht sich in mir breit. Warum komm ich nicht an mein Geld? Hat jemand mein Konto abgeräumt? Wie soll ich die nächste Übernachtung und die geplante Tour bezahlen? Mir wird schlecht… ich bin ratlos. Soll ich mit den anderen reden und mein Problem schildern, oder soll ich es einfach später nochmal versuchen?

 

Hilfe von anderen

Irgendwann komme ich zu dem Entschluss, dass ich es den anderen sagen muss. Ich greife mir ein Herz auch wenn es mir mehr als unangenehm ist und trommel die anderen 3 zusammen. Ich erkläre ihnen was los ist und das ich keine Ahnung habe was ich machen soll. Die Reaktion der anderen überrascht mich. Auch wenn wir uns gar nicht kennen ist jeder einzelne so

Australien

fort bereit mir zu helfen. Der eine gibt mir sein Telefon (er ist der einzige mit Netzempfang), damit ich meinen Vater anrufen kann, der nächste erklärt mir sofort, dass es die Übernachtung für mich mit übernimmt und der dritte macht mir Mut, dass alles halb so schlimm ist und wir das gemeinschaftlich schaffen.

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, was für ein riesiger Stein mir vom Herzen gefallen ist, als ich diese ganze Unterstützung erhalten habe. Es hat auch nicht einer der dreien daran gezweifelt, sein Geld von mir zurück zu bekommen, obwohl ja keiner wusste, warum ich kein Geld mehr bekomme.

Ich finde das heutzutage bemerkenswert, da wir nicht mehr auf Hilfsbereitschaft geschult werden und viele schon zu oft bei Hilfestellungen enttäuscht wurden. Aber ich finde es wichtig sich gegenseitig zu helfen und dabei das Vertrauen zu haben, dass man nicht über den Tisch gezogen wird.

 

Das gute Ende

Das Ende bzw. den Grund für meine Geldnöte möchte ich euch natürlich auch nicht vorenthalten… denn es ist glücklicherweise alles gut ausgegangen.Australien
Nach einem Telefonat mit der Bank, stellte sich heraus, dass ich einen absoluten Anfängerfehler beim Reisen begangen habe. Trotz genügend Geld auf dem Konto hatte ich zur Sicherheit ein monatliches Kreditkartenlimit, welches ich ausgereizt hatte. Somit konnte ich meine Kreditkarte bis zur nächsten Abrechnung eigentlich nicht mehr benutzen. Ein paar Tage bzw. eine Stadt weiter, die Internetempfang zu bieten hatte, konnte ich letztendlich Geld auf die Kreditkarte überweisen und meine „Schulden“ zurück bezahlen.
Nichts desto trotz muss ich gestehen, dass ich ohne die Hilfe von vermeintlich Fremden aufgeschmissen gewesen wäre und nicht gewusst hätte, was ich machen soll. Den Glauben an Ehrlichkeit und die Menschheit gebe ich seit dem nicht so schnell wieder auf.

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